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Stories

Beim gemeinsamen Essen und Trinken entstehen die besten Geschichten. Wir nehmen euch mit in die Welt des Genusses und erzählen euch die schönsten Stories – von der Entstehung des Bieres, über Geschichten von Tradition und Handwerk bis hin zu Altbekanntem aus dem Leben selbst.

Museumsführer am Backofen

Was Brotbacken mit dem Ursprung des Universums zu tun hat

Der Weg über die Treppe wird immer dunkler, leises Feuerknistern ist zu hören, ein warmer Lufthauch streift das Gesicht. Im Dunkeln erscheint ein uraltes Häuschen. Mit seinem spitzen Dach, den urigen Holzlatten und einem aus Bruchstein gemauerten Backofen erinnert es an das Hexenhaus aus „Hänsel und Gretel“…

… die Stimme des Museumsführers holt uns sanft in die Gegenwart, genauer gesagt in das Bayerische Bäckereimuseum im Kulmbacher Mönchshof. Wir stehen auch nicht vor einem Hexenhaus, sondern vor einem alten Backhaus aus dem 18. Jahrhundert. Seine Geschichte klingt aber dennoch wie ein Märchen, nämlich das vom Brotbacken.

Brot als Hauptnahrungsmittel

„Alles ist wieder aufgezehrt, wir haben noch einen halben Laib Brot (…)“. Wie es bei „Hänsel und Gretel“ beschrieben wird, erging es den Menschen in früheren Zeiten sehr oft, berichtet der Museumsführer. Schließlich war Brot, neben dem Bier, das wichtigste Grundnahrungsmittel. Man musste mit Bedacht damit umgehen und gut einteilen. Zum einen war die Ernte nicht immer ergiebig und zum anderen musste man sich zum Backen gut mit der Nachbarschaft abstimmen. Heute kaum vorstellbar!

Backhaus im Mittelpunkt

Auf dem Lande war es bis ins 20. Jahrhundert üblich, Brot selbst zu backen, allerdings nicht in den eigenen Häusern. Die Brandgefahr für die zumeist aus Holz, Lehm und Stroh errichteten Wohnhäuser war zu groß. Deswegen baute man Backhäuser, wie das im Bayerischen Bäckereimuseum, fernab der Siedlungen in sicherer Entfernung. In der Regel musste eine Familie alle 14 Tage Brot backen. Da dies seine Zeit dauerte und doch recht viele Familien backen wollten, wurde eigentlich ständig gebacken. Die Zeiten, zu denen die einzelnen Familien backen durften, wurden ausgelost. Wenn der Andrang zu groß war, musste auch schon einmal die Nacht durchgebacken werden. Auch dadurch wurde das Backhaus zum zentralen Treffpunkt der Gemeinde. Es wurde geratscht und getratscht, die neuesten Backrezepte und Erfahrungen beim Brotbacken wurden ausgetauscht.

Holzofen mit Broten im Feuer

Das Universum beginnt mit dem Brot

So wundert es nicht, dass ausgerechnet dieses Backhaus das erste Exponat ist, auf das man im Bayerischen Bäckereimuseum trifft. Als archaisches Symbol lässt es die räumliche, zeitliche und geistige Dimension des Bäckerhandwerks erahnen, die von dem in nüchternen Lettern geschriebenen Satz nebenan untermalt werden: „Das Universum beginnt mit dem Brot. (Pythagoras)“

Im Mittelalter war es gar nicht selbstverständlich, dass ein Biersud auf Anhieb gelang. Von zehn Versuchen gelangen allenfalls zwei. Außer bei Bäckern. Ihnen gelangen die Sude wesentlich öfter. Hatte es mit Magie zu tun? Für die Menschen im Mittelalter vielleicht ja. Wir wissen heute allerdings, dass es in den Backstuben „zauberhafte“ Backhefen gab, die den Biersud durch eine Spontangärung gelingen ließen.

Backtag - Brautag: Schon gewusst? Gleich nach dem gemeinschaftlichen Backtag folgte in der Regel der Brautag! Warum? – Hefen in der Luft hatten besonders positive Auswirkung auf den Erfolg des Bierbauens

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